Der Prinz von Homburg alias Norbert Grupe

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Norbert Grupe:(* 25. August 1940 in Berlin; 10.
März 2004 bei Puerto Vallarta, Mexiko) war einer der schillerndsten deutschen
Profiboxer.
Grupe begann seine sportliche Karriere in den 50er Jahren zusammen mit seinem
Vaters in Wrestlingveranstaltungen.. 1962 wechselte er, da er dort bessere Bedingungen
erwartete, über zum Profiboxen. Von 47 Profikämpfen gewann er 30.
Hierbei konnte der Halbschwergewichtler nie irgendeienn wichtigen Titel wie
Weltmeister- oder Europameister erringen.Ihm war aber auch mehr an der Show
;bzw an seiner Show gelegen.
Legendär ist sein Aufritt am 21. Juni 1969 im Aktuellen Sportstudio des
ZDF, als Grupe auf keine der Fragen des Moderators Rainer Günzler antwortete.
Hintergrund war ein vorangegangener Beitrag Günzlers für die ZDF-Sendung
Sportspiegel, in dem sich Günzler kritisch mit den sportlichen Leistungen
Grupes auseinander setzte und sich eher abfällig zu Grupes manchmal skurilen
Auftritten in der Öffentlichkeit ausließ. Daraufhin soll Grupe vor
Freunden geschworen haben: "Das kriegt der zurück! Entweder ich hau
ihm in die Schnauze oder ich sage kein Wort" Gott sei Dank entschied er
sich für die zweite Variante. Norbert Grupe war aber auch ein Mann mit
dem nicht immer zu spassen war .Er war mit dem "Milieu" verstrickt
und verbrachte Jahre seines Lebens hinter schwedischen Gardinen



Nach seiner sportlichen Laufbahn begann Grupe eine Karriere
als (wie konnte es auch anders sein) Schauspieler. 1965 spielte er unter der
Regie von Bernhard Wicki in Morituri an der Seite von Marlon Brando und Yul
Brynner. Weitere große Erfolge blieben ihm jedoch versagt.
Im Jahr 2000 drehte der deutsche Filmemacher Gerd Kroske den preisgekrönten
Dokumentarfilm Der Boxprinz, in dem er ein Porträt des schillernden Lebens
von Norbert Grupe zeichnet.



Domizil Kalifornien
Es bedarf wahrscheinlich eines besonderen Faibles für Aussenseiter , um
einen wie Grupe aufregend und interessant zu finden. Werner Herzog, der Regisseur,
hat diese einzigartige Gabe. Als "gemeingefährlich" umschreibt
Herzog diesen Boxer "ein deutscher Mike Tyson, nur intelligenter",
doch im Grunde ein liebenswerter Kerl. Herzog ließ Grupe auftreten im
Film "Stroszek", als Zuhälter mit grosser Brutalität . Mit
Grupe kam Herzog gut aus. Sein bester Hauptdarsteller hieß Klaus Kinski,
noch so ein Chaot.
Grupe mochte die tägliche Arbeit eines Schauspielers. Er lebte in Kalifornien,
spielte kleine Rollen in Filmen und Fernsehserien und kutschierte seine ständige
Begleiterin, die Mischlingshündin Sheila, in einem alten VW-Bus durch die
Gegend. Ab und zu schaute er noch in einer Boxhalle in der Nähe vorbei,
blättert in alten Kampfrekorden. Resignativ sagt der Mann, der "Wilhelm
von Homburg" war: "I go Soft."


Er war ein harter Boxer. "Der war der beste Mann, der in Deutschland rumlief",
sagt Jürgen Blin , der Europameister, der gut genug war, um gegen Muhammad
Ali zu verlieren. Bammel, ja, wirklich: "Bammel hab ich gehabt." Bammel,
das heißt Angst, nicht etwa Respekt. So etwas gestehen Boxer selten.
Ein internationaler Titel blieb Grupe verwehrt. Blin, der alte Gegner, glaubt
zu wissen, warum: "Der hat nicht danach gelebt. Doch der konnte alles."
Es klingt nach Wertschätzung, doch darin verbirgt sich ein Vorwurf. . Aber
so ist das eben. Mit den peinigenden Erinnerungen.
Grupe lebte zuletzt in Los Angeles. Am 10. März 2004 erlag er einem Krebsleiden
in Mexiko.
Links:
Norbert Grupe im Aktuellen Sportstudio 1969



"Alles ist vergänglich ausser Lebenslänglich"
Dienstag, 27. April 2004
Hamburg
"Prinz von Homburg": Der Krebs hat ihn besiegt
Norbert Grupe genoss als Boxer Hochachtung, als Mensch war er exzentrisch. Der
umstrittene Sportler starb in Mexiko
Von Hans-Eckart Jaeger
Hanne Kleine hatte es im Radio gehört: Norbert Grupe ist tot. Einsam und
allein starb der Mann, der sich "Prinz von Homburg" nannte, am vergangenen
Mittwoch in Mexiko-Stadt. Er erlag einem Krebsleiden.
Hanne Kleine, Wirt in der Kult-Gaststätte "Zur Ritze" auf St.
Pauli, war viele Jahre Grupes Freund - bis sie sich nach einer durchzechten
Nacht zerstritten. "Der Norbert, mal wieder auf einem seiner Drogen-Trips,
beschuldigte mich, seinen Ring gestohlen zu haben. Da war Schluss", erinnert
sich Kleine.
In der Ritze gab es am Freitag nur ein Gesprächsthema. Und manch einer
am Tresen erinnerte sich noch an jenen privaten Boxkampf, der sich Ende der
60er-Jahre nach einem Streit um eine Frau im benachbarten Bordell "Paradieshof"
abgespielt hatte. Schwergewichtler Grupe und Weltergewichtler Helmut Mistol
gerieten heftig aneinander. Erst Schwergewichtsmeister Albert Westphal beendete
das Duell mit einer Schrotflinte in der Hand und wertete den Kampf unentschieden.
Der gebürtige Berliner, Sohn des Bäckers, Boxers und Catchers Richard
Grupe, war eine schillernde Faustkämpferfigur. Gestählt in 47 Profikämpfen
(von denen er 30 gewann), teilte er aus - und steckte noch mehr ein. Ein Champ
war er nie, aber ein Kerl.
Der ehemalige Europameister Jürgen Blin (64), Besitzer einer Snackbar im
Hamburger Hauptbahnhof, stand auch einmal mit dem "Prinzen" im Ring.
"Sechsmal habe ich ihn auf die Bretter geschickt, aber jedes Mal ist er
wieder aufgestanden", berichtet Blin. "Er hatte unglaubliche Nehmerqualitäten,
und Angst war für ihn ein Fremdwort."
Voller Hochachtung spricht Blin von dem "Boxer" Grupe, aber menschliche
Qualitäten konnte er nie an ihm entdecken: "Hasch, Doping - das war
seine Welt. Er war labil, immer auf St. Pauli. Mit dieser Lebensart habe ich
mich nie angefreundet."
Grupe, der Lebenskünstler. Immer wieder kam er mit dem Gesetz in Konflikt.
Nach seinem K.-o.-Sieg 1964 gegen den Franzosen Joseph Syoz wurde er vom Ring
weg verhaftet, weil er in eine Schlägerei verwickelt war. Das Hamburger
Landgericht verurteilte ihn 1985 wegen Körperverletzung und Beihilfe zur
Förderung der Prostitution zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis.
Grupe saß seine Zeit in "Santa Fu" ab.
Hin und wieder versuchte der Exzentriker (Motto: "Alles ist vergänglich,
außer lebenslänglich"), Filmkarriere in Hollywood zu machen.
Mit mäßigem Erfolg. Einmal reichte es zu einer winzigen Nebenrolle
neben Marlon Brando und Yul Brynner im Streifen "Morituri".
Grupe, der böse Bube, der Mann, der Sex und Show in deutsche Boxringe brachte.
Der Filmemacher Gerd Kroske setzte ihm 2002 mit einem Dokumentalfilm ein (wohlwollendes)
Denkmal.
Auch Wirt Hanne Kleine von der "Ritze" hat mit Grupe längst seinen
Frieden gemacht: "Norbert ist tot. Ich verzeihe ihm alles . . . "
Quelle http://www.abendblatt.de/daten/2004/03/13/273032.html
Hamburger Abendblatt Online
Prinz Wilhelm von Homburg, Norbert Grupe, 'der Boxprinz':
Seine Sportkarriere verging schnell, sein legendärerer Ruf ist ihm erhalten
geblieben. In schönster Erinnerung sein Fernsehauftritt nach seiner desaströsen
Niederlage gegen Oscar Bonavena 1969. Grupe sitzt im ZDF-Sportstudio und schweigt
sechs Fragen lang. Dann bedankt er sich höflich: 'Es war reizend.' Der
Bund Deutscher Berufsboxer findet das nicht lustig und sperrt Grupe auf Lebenszeit
wegen 'unsportlichen Verhaltens' (was später wieder rückgängig
gemacht wird). Grupe ist ein ungehemmter Selbstdarsteller und sorgt für
viele negative Schlagzeilen: Großmäuligkeit nicht nur im Ring, Drogen,
Schutzgelderpressung, Rotlichtmilieu, insgesamt fünf Jahre Knast. Und,
geradezu naturwüchsig, Schauspielerei: Viele kleine Bösewichter und
kleine Auftritte bei Hitchcock und Herzog.
Filmemacher Gerd Kroske hat Grupe zum Reden gebracht - und nicht nur ihn. Der
Boxprinz erinnert sich sehr genau und mit Schiedsrichterbeschimpfung an seine
Kämpfe und die Kohle, die ihm entgangen ist; seine Erinnerungen ans Boxen
sind die an Geschäfte und daran, wie man sich durchschlägt. Die Herren
vom Kiez, ehemalige Boxer, Puffbesitzer und Zuhälter, erinnern sich gern
und verklärend an ihre Zeit mit Grupe, der in den Erzählungen zum
guten Menschen wird, der leider nichts aus sich gemacht hat. Und weil Kroske
seine Gesprächspartner ausreden lässt, entsteht das Bild eines Milieus,
dessen Bewohner sich nicht ohne Sentimentalität an Prostitution, Männerkumpanei,
Frauenverachtung und Gewalt erinnern. Ein weißhaariger Hell's Angel erinnert
sich fröhlich an wilde Tage, die nachträglich vor Gericht verhandelt
wurden; dort muss es dann sehr lustig zugegangen sein, glaubt man den Anekdoten
eines ehemaligen Gerichtsdieners. Grupe hat damals kräftig mitgemischt
und am Ende doch nicht dazugehört; er ist ein Einzelgänger geblieben.
Wenn er einen alten Freund von der Reeperbahn in dessen geräumiger Villa
in Florida besucht, sitzt er fast bescheiden neben einem, der es zu protzigem
Reichtum gebracht hat.
Norbert Grupe ist am 10. März 2004 in Mexiko an einem Krebsleiden gestorben.
Er wurde 63 Jahre alt.
Text Tv-Info.de zum Film Der Boxprinz
Bildquelle:http://home.t-online.de/home/kroske/homepage.htm/
Bildquelle: Bild/T-online